Der HERR wird Recht schaffen zwischen den Nationen und viele Völker zurechtweisen. Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzen zu Winzermessern. Sie erheben nicht das Schwert, Nation gegen Nation, und sie erlernen nicht mehr den Krieg.
Jesaja 2, 4
Dieser Vers ist kein isoliertes Versprechen. Er ist das Herzstück einer Vision, in der Gottes verwandelnde Kraft die gesamte Schöpfung erneuert und Frieden, Gerechtigkeit und Liebe in jede Ecke der Erde ausbreitet. In der Vorschau auf die „letzten Tage“ beschreibt Jesaja, wie der Berg des Herrn über alle Berge erhöht sein wird und Völker aus allen Nationen nach Zion kommen, um Gottes Wege zu lernen. Weder Macht noch Militär, sondern das Wort Gottes allein ist es, das die Wende der Geschichte bringt. In Vers 4 wird Frieden aus dieser Quelle hervorgebracht.
Das Umschmieden der Schwerter geschieht nicht durch menschliche Diplomatie. Es ist das Ergebnis göttlicher Herrschaft. Das Bild des Umschmiedens wurde dabei bewusst gewählt. Schwerter sind nicht einfach verschwunden. Sie werden verwandelt. Ein Werkzeug des Todes wird zum Lebenswerkzeug umfunktioniert. Der Gott, dem wir dienen, macht lebendig, was tot ist. Er hat den gekreuzigten Jesus vom Tod auferweckt und ist stark genug, um selbst eine durch Krieg zerrissene Welt neu zu erschaffen.
Aber wie weit sind wir davon entfernt! Es macht mich sehr traurig, wenn ich darüber nachdenke, wie viel menschlicher Verstand, wie viel Kreativität, Forschung und Arbeit in die Herstellung von Waffen investiert wird. Raketen, die Wohnblöcke zerstören. Panzermaschinen, die über Dörfer hinwegfahren. Drohnen, die Menschen nachjagen. All das erfordert Ingenieure, Wissenschaftler, Fabriken und Milliardenbudgets. Das menschliche Genie wird für den Tod eingesetzt.
Was wäre, wenn es bei diesem Einsatz um Leben ginge? Was wäre, wenn die Ingenieure, die Raketen entwerfen, stattdessen Krankenhäuser bauen, in wasserarmen Gebieten sauberes Wasser bereitstellen oder Medikamente für vergessene Krankheiten entwickeln würden? Diese Frage ist nicht naiv, sondern prophetisch. Denn wir glauben an einen Gott, der das Leben will und nicht den Tod.
Ich habe diese Überzeugung in der Ukraine selbst erlebt, mitten im Alltag von Menschen, die unter dem Donner russischer Raketen leben. Für meine ukrainischen Freunde ist Jesaja 2,4 keine schöne Metapher. Es ist eine Hoffnung, die man festhalten kann, nicht weil die Umstände es erlauben, sondern weil Jesus Christus, der Fürst des Friedens und Retter der Welt, es verspricht.
Und dieses Versprechen findet seine letzte Vollendung, wenn er wiederkommt. Die Offenbarung des Johannes malt diesen Tag in leuchtenden Farben: „Siehe, ich mache alles neu ... Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, auch Leid und Geschrei und Schmerz wird nicht mehr sein; denn das Erste ist vergangen“ (Offb 21,4–5). Krieg ist Teil dieses Ersten. Alles, was Menschenhände zum Töten erdacht haben, gehört zu einer Welt, die Christus hinter sich lässt.
Die Schwerter werden zu Pflugscharen. Das Erste vergeht. Das Neue kommt. Maranatha, komm, Herr Jesus!
Joshua T. Searle
Theologische Hochschule Elstal