„Die Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen Anker unsrer Seele.“
Hebräer 6, 19
Ein Anker ist schwer. Wenn er seine Aufgabe erfüllt, hält er auch bei Sturm und tückischen Strömungen ein Schiff fest an Ort und Stelle. Aber was ist ein Anker für die Seele?
Die Vielfalt der Veränderungen in der Gegenwart verunsichert uns. Es fühlt sich so an, als gäbe es keine verlässlichen Fixpunkte mehr. Alles ist im Fluss. Überall Veränderung und unklare Entwicklungen. Und bei der Frage: „Was wird noch alles auf uns zukommen?“ kann einem Angst und Bange werden.
Aber das ist eigentlich der Normalzustand im menschlichen Leben. Wir verdrängen es zwar oft, aber unsere Zukunft ist immer unsicher. Wir können gar nicht wissen, was kommen wird. Wir wissen nur, was bei den anstehenden Veränderungen auf dem Spiel steht: Das bisher Bekannte und Normale, an das wir uns gewöhnt haben, und das wir gerne festhalten wollen.
Jesus spricht zu Thomas: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!
Johannes 20, 29
Das ist einfach nicht fair! Den „ungläubigen Thomas“ nennt man ihn. Dabei war er doch nur kurz weg gewesen. Am Abend des ersten Wochentages hatten sich einige Jünger versammelt. Die Lage war sehr verwirrend: Erst das Grauen der Kreuzigung, dann am dritten Tag plötzlich das leere Grab. Die Jünger hatten von Maria Magdalena erfahren, dass Jesus ihr erschienen sei. Jetzt kamen sie zusammen und verriegelten die Türen. Die Situation war zu unsicher. Schwer einzuschätzen. Wem sollte man vertrauen? Wen oder was hatte Maria gesehen? Sollte man ihr glauben oder besser den eigenen Augen trauen, obwohl es eigentlich nichts zu sehen gab? Von einem Jünger hieß es, dass er in der leeren Grabkammer „sah und glaubte“ (Joh 20,8). Aber was hatte jener dort gesehen? Und vor allem: Was und wie glaubte er? Fragen über Fragen. Kein Wunder, dass sich die Jünger trafen. Wer wollte in so einer unsicheren Situation schon allein sein? Einer fehlte jedoch: Thomas. Wir wissen nicht, warum. Vielleicht hatte er einfach etwas anderes vor. Oder er wollte in seiner Trauer über den Tod Jesu lieber allein sein. Jedenfalls war er nicht dabei, als etwas ganz und gar Unerwartetes geschah. Jesus war plötzlich mitten unter ihnen. Wie er leibt und lebt! Nein, vielleicht nicht ganz so wie früher, aber doch als der Gekreuzigte. Seine Wunden waren deutlich zu sehen. Tatsächlich. Er war es. „Friede sei mit euch“, sagte er zu ihnen.

