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Andacht Mai 2026

„Die Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen Anker unsrer Seele.“
Hebräer 6, 19

Ein Anker ist schwer. Wenn er seine Aufgabe erfüllt, hält er auch bei Sturm und tückischen Strömungen ein Schiff fest an Ort und Stelle. Aber was ist ein Anker für die Seele?

Die Vielfalt der Veränderungen in der Gegenwart verunsichert uns. Es fühlt sich so an, als gäbe es keine verlässlichen Fixpunkte mehr. Alles ist im Fluss. Überall Veränderung und unklare Entwicklungen. Und bei der Frage: „Was wird noch alles auf uns zukommen?“ kann einem Angst und Bange werden.

Aber das ist eigentlich der Normalzustand im menschlichen Leben. Wir verdrängen es zwar oft, aber unsere Zukunft ist immer unsicher. Wir können gar nicht wissen, was kommen wird. Wir wissen nur, was bei den anstehenden Veränderungen auf dem Spiel steht: Das bisher Bekannte und Normale, an das wir uns gewöhnt haben, und das wir gerne festhalten wollen.

Aber wo können wir uns verankern angesichts der bleibenden Unsicherheiten? Im 6. Kapitel des Hebräerbriefes geht es um die letzte und existentielleste Unsicherheit des menschlichen Lebens: Was kommt nach dem Tod? Kann man als Christ das einmal erworbene Seelenheil vielleicht wieder verlieren? Bleibt für den Rest des Lebens unklar, ob es ein Leben nach dem Tod für die an Christus Glaubenden geben wird, oder ist Heilsgewissheit möglich?

Der Schreiber des Hebräerbriefes hebt diese Unsicherheit nicht einfach auf, aber er macht deutlich, dass es von Gottes Seite aus eine klare und unverbrüchliche Zusage gibt: Gott hat vor sich selbst einen Eid geschworen, dass sein Heilswille unumstößlich ist und nichts seine Treue aufheben kann. Gott will das Heil aller Menschen. Nur wer bewusst und endgültig Gottes Liebe zurückweist, muss damit rechnen, dass Gott diese Abwendung respektieren könnte, weil er niemanden zum Heil zwingen wird.

Aber für alle anderen gilt: Es gibt nichts, was sicherer hält als der Anker der Hoffnung auf Gottes ewige Güte und Treue. Wer sich Christus zuwendet und damit seine Hoffnung auf Gottes Liebe setzt, kann nicht enttäuscht werden. Gottes Wille zum Heil ist unveränderlich. Daher ist der Anker der christlichen Hoffnung auf sicheren Grund geworfen. Das ewige Heil hängt nicht an der menschlichen Wankelmütigkeit oder dem Hin- und Her gesellschaftlicher oder globaler Veränderungen.

Der Ort, an dem die christliche Hoffnung verankert ist, ist der Himmel selbst. Weil Gott selbst uns festhält und seine Treue unverbrüchlich ist, kann nichts uns wegtreiben von ihm. Weil wir durch Jesu Opfer von aller Schuld befreit sind, steht uns die himmlische Ewigkeit offen, weil Gott es so geschworen hat. Wer also seine Hoffnung auf Gottes Treue setzt und seinen Glauben dort verankert, hat Gottes unverbrüchliche Zusage auf das ewige Heil sicher. Und das bedeutet: Es gibt in der Hoffnung auf Gottes Liebe Heilsgewissheit.

Prof. Dr. Ralf Dziewas
Theologische Hochschule Elstal