Viele sagen: „Wer wird uns Gutes sehen lassen?“ Herr, lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes!
Psalm 4, 7

Es scheint, als gäbe es eine allgemeine menschliche Sehnsucht: Die Suche nach „dem Guten“, der Erfüllung, dem Sinn. Nicht nur die inhaltliche Frage, was dieses Gute ist, sondern auch die Frage nach dem „Woher“ beeinflusst diese Suche. Von wem wird Gutes erwartet? Worin finden wir unsere Erfüllung? Besonders zu Beginn eines neuen Jahres werden die Stimmen aus den Medien, der Werbung und vielleicht auch in unserem Umfeld lauter: Neujahrsvorsätze, neue Hoffnungen, neue Orientierung. Dieses Jahr soll anders werden. Dieses Jahr soll gut werden. Doch worin suchen wir unser Glück?

„Viele sagen“ heißt es in diesem Psalm. Viele – das sind auch die Stimmen um uns herum, unsere täglichen Einflüsse, der gesellschaftliche Standard, was als erstrebenswert gilt und wie „das gute Leben“ aussieht. Da kommen bestimmte Bilder und Vorstellungen in den Sinn. Vielleicht lässt sich das Gute für den einen in materiellem Besitz finden – eine besser bezahlte Arbeit, mehr Anerkennung, mehr Erfüllung. Vielleicht lässt es sich in heilen zwischenmenschlichen Beziehungen finden – in starken sozialen Kontakten und Gemeinschaft. Wo und von wem wir uns Gutes erhoffen, das lenkt und steuert unsere Suche, unser Streben, unsere Ausrichtung. Der Psalmist bringt einen Bruch in diese Fragestellung. Der Frage von Vielen stellt er einen direkten Ausruf, eine Aufforderung an Gott, gegenüber: „Herr, lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes!“ Der Psalmist muss nicht fragen, wer ihn Gutes sehen lassen wird. Er kann in direkten Kontakt mit Gott treten und um das bitten, was er als „gut“ erfahren hat: Gottes Antlitz ist das Gute, wonach sich sein Herz sehnt. Weiter im Psalm wird dies noch einmal deutlicher: „Du erfreust mein Herz, mehr als zur Zeit, da es Korn und Wein gibt in Fülle.“ (Ps 4,8) Die Freude, das Glück und das Gute, das von Gott ausgeht, sind noch einmal mehr, als diese guten Dinge, an denen wir uns sonst so erfreuen. Der Psalm endet mit den Worten: „Ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, Herr, hilfst mir, dass ich sicher wohne.“ (Ps4,9) Dieses Gute, das bei Gott gefunden werden kann – im Licht seines Antlitzes, das über uns leuchtet – gibt tiefen Frieden, Sicherheit und Gewissheit: Bei Gott bin ich gut aufgehoben. Kann auch ich den vielen Stimmen um mich herum aus dieser tiefen Erfahrung heraus antworten, wenn ich gefragt werde, wer uns Gutes sehen lassen wird? Der Psalm lädt ein, unsere Suche nach Erfüllung und dem Guten in der Schönheit Gottes zu finden. Wir dürfen empfangen, denn es ist sein Licht, das über uns leuchtet und uns das Gute sehen lässt. Im Licht seines Antlitzes ist es, dass wir Freude und Frieden finden – ein Leben in Fülle und aus der Fülle heraus.

Dana Sophie Weiner
(Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Theologischen Hochschule Elstal)

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