Der Engel des Herrn rührte Elia an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir!
1. Könige 19, 7

Elia war auf der Flucht, er hatte Angst um sein Leben. Nachdem er seinen Diener in Beersheba in Juda gelassen hatte, floh er allein in die Wüste. Die Wüste, der Ort der Einsamkeit, der Ort, wo Leben nicht wachsen kann. Im Weltbild des Alten Testaments einer der lebensbedrohenden, lebensfeindlichen Gebiete der Welt. In dieser Einsamkeit lässt sich Elia nieder und gibt auf – er gibt sein Leben auf und bittet Gott, es ihm zu nehmen. Doch Gott hat andere Pläne. Ein Engel des Herrn weckt Elia aus seinem Schlaf und fordert ihn auf: Steh auf und iss! Dort, mitten in der Wüste, bekommt Elia das, was er zum Leben braucht. Er findet einen Krug Wasser und geröstetes Brot neben sich liegen. Elia isst und legt sich wieder schlafen. Es ist eine tiefe Erschöpfung, die Angst, das auf der Flucht sein, die Last seines Gewissens und das Gefühl, nicht besser zu sein, als seine Väter – all diese Gedanken und Emotionen wirken sich bei Elia in einem resignierten, erschöpften Schlaf aus. Doch der Engel kommt zum zweiten Mal. Er weckt Elia erneut: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.

In der Bibel ist die Wüste nicht immer als lebensbedrohlich dargestellt. Ganz im Gegenteil. Nicht selten ist es in der Stille, Leere und Einsamkeit, dass Menschen Begegnungen mit Gott haben, die ihrem Leben neue Hoffnung und Kraft geben. So auch bei Elia. Er hatte aufgegeben, doch Gott hatte ihn noch lange nicht aufgegeben. Der Weg in die Wüste war der Weg zu seiner weiteren Bestimmung. Es war in der Wüste, dass er neue Kraft zum Leben bekam, dass ihm eine Perspektive gezeigt wurde. Doch bis Elia in diese Bestimmung und Perspektive eintreten konnte, musste etwas anderes passieren: Er brauchte Zeit – Zeit zum Schlafen, Zeit in der Stille und Nahrung für seinen Körper. Gott bereitet Elia vor, indem er ihm menschliche Grundbedürfnisse zur Verfügung stellt. Nicht optional, denn Elia wird mehrmals von dem Engel darauf hingewiesen, Gebrauch von diesen Bedürfnissen zu machen. Er bekommt Schlaf, Nahrung und Wasser, er wird geweckt, wenn es Zeit zum essen ist, er wird geweckt, wenn es Zeit für den nächsten Schritt ist. Diese Ruhe in der Wüste, in der Elia aufgebaut wird, gibt ihm letztendlich Kraft, um vierzig Tage und vierzig Nächte, bis zum Berg Horeb, zu laufen. Diese Tage in der Ruhe und Stille waren wichtig und essentiell, um die nächsten Schritte zu tun.

Die Geschichte von Elia verdeutlicht, dass es unterschiedliche Phasen gibt, die alle ihre Berechtigung haben. Die letzten Wochen und Monate waren geprägt von sozialer Isolation, von Unsicherheiten und für viele sicherlich auch tiefer Einsamkeit. Vielleicht ist auch jetzt eine Wüstenzeit, in der wir in der Stille und Einsamkeit auf Gott warten können. Vielleicht ist es für einige von uns an der Zeit, nicht mehr auf der Flucht zu sein, sondern sich versorgen zu lassen – da und genau dann, wenn uns Unsicherheiten und Dürre umgeben. Vielleicht ist es Zeit, aufzuwachen, um zu essen und sich zu stärken. Und vielleicht ist es aber auch an der Zeit, aufzustehen und loszugehen. Die Wüste ist nicht der Ort, wo alles endet. Bei Elia ist sie der Ort, wo der Grundbaustein für Neues gelegt wird. Denn da, wo wir aufgeben wollen, da hat Gott einen anderen Plan.

Dana Sophie Weiner
Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Theologischen Hochschule Elstal

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