Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat.
1. Petrus 4, 10

Was erwartet man von einem guten Verwalter? Zunächst einmal, dass er das, was ihm zur Verwaltung anvertraut wurde, gut bewahrt und für seinen ordnungsgemäßen Einsatz Sorge trägt. Aber darüber hinaus auch, dass das ihm übertragene Vermögen sich vermehrt und möglichst gute Ergebnisse hervorbringt. Der Verfasser des 1. Petrusbriefes gebraucht dieses Bild aus dem antiken Wirtschaftsleben, um alle Mitglieder der christlichen Gemeinden anzusprechen. In seiner Gemeindeermahnung, die von V.7-11 reicht, fordert er die Christen auf, aus der Hoffnung des Glaubens heraus, ihr Zusammenleben so zu gestalten, dass die Liebe deutlich wird, die die Gemeindemitglieder miteinander verbindet. Dazu gehört sowohl die Fürbitte füreinander (V.7) wie die liebevolle wechselseitige Vergebung der Sünden (V.8) und die Bereitschaft die bedürftigen Gemeindemitglieder zu versorgen, ohne dabei zu murren (V.9).

Und an diese Ermahnungen schließt sich der Monatsspruch an, der gleichsam eine allgemeine Regel für das Miteinander in der Gemeinde formuliert: Alle Gläubigen sollen die Gaben, die Gott ihnen gegeben hat, nicht für sich behalten, sondern sie so einsetzen, wie es ein guter Verwalter täte. Gott hat allen Gemeindemitgliedern unterschiedliche Gaben gegeben. Diese können sehr vielfältig sein, aber alle lassen sich zum Dienst für andere einsetzen. Wer über die Gabe des Betens verfügt, kann die anderen in seine Gebete einschließen. Wer die Gabe der Liebe hat, soll den anderen vergeben. Und wer über ein Haus oder die notwendige Finanzkraft verfügt, soll den Bedürftigen Gastfreundschaft erweisen. Und die Liste ließe sich mit weiteren Gaben verlängern.

Entscheidend ist die Haltung, aus der heraus die Gemeindemitglieder ihre Gaben einsetzen sollen. Weil sie unverdiente Gnadengaben Gottes sind, sollen sie so gebraucht werden, dass neue Gnade entsteht. Gnade lässt sich nicht dadurch vermehren, dass man sie knapphält, um ihren Preis hochzutreiben, sondern nur, indem man sie kostenlos weiterverschenkt. Weil Gott aus seiner Gnade den Menschen spezifische Gaben geschenkt hat, können und sollen diese die Gaben in das Gemeindeleben investieren. Nur im Dienst aller an allen kann die Vielfalt der Gnadengaben von allen erlebt werden. Nur wenn niemand seine Gaben für sich behält, erhalten alle an allen Gaben Anteil. Nur so wird dann auch die bunte Vielfalt der Gnade Gottes von allen erkannt werden.

Diese Ethik eines gnädigen, sich wechselseitig beschenkenden Miteinanders, die der 1. Petrusbrief hier seinen Leserinnen und Lesern vor Augen stellt, überfordert niemanden. Nur das soll geteilt werden, was zuvor verliehen wurde. Nur das, für das alle als Verwalterinnen und Verwalter der Gnade Gottes Verantwortung tragen, soll eingebracht werden. Und das ist auch möglich, denn jeder Dienst, der aus der Gnade Gottes heraus geschieht – das macht der abschließende Vers 11 deutlich – lebt letztlich von der Kraft, die Gott geschenkt hat und immer wieder neu dazu gibt.

Prof. Dr. Ralf Dziewas
Professor für Diakoniewissenschaft und Sozialtheologie an der Theologischen Hochschule Elstal

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